Donnerstag, 7. Januar 2016

Von einem der auszog, ein Märchen zu hören, Teil 2

Zwei Wochen später kniete ich am Samstag in meinem Gewächshaus vor den Tomatenpflanzen, und band sie an lange Stützen. Sorgsam brach ich die Geiztriebe der Pflanzen heraus. Kater Neo saß auf dem warmen Strohmulch und schaute mir scheinbar interessiert zu. Plötzlich sprang er auf und verschwand. Da hörte ich vor dem Glashaus Schritte und drehte mich zum Eingang. Ein blonder Schopf schaute um die Ecke und Till erschien. „Was machst du da,“? fragte er interessiert. Ich wusste dass er eigentlich etwas anderes fragen wollte,trotzdem erklärte ich ihm dass die Tomaten eine Stütze brauchen. „Erzählst du die Geschichte weiter,“? bettelte er. „Wenn du noch etwas wartest bis ich hier fertig bin mache ich das,“ versprach ich ihm. Till verschwand und ich hörte das leise Knarren der Eisenschaukel.
Bald beendete ich meine Arbeit und holte mir eine Tasse Kaffee. Till bekam ein Glas Saft . Dann setzte ich mich auch auf die Schaukel. Das schwarze Fell meines Katers war auf dem Dach des Holzstapels in sicherer Höhe zu sehen. Er sah wachsam auf uns herab. Till sah ihn auch.„Warum läuft der immer weg wenn ich ihn streicheln möchte“? Neo legte sich hin und ließ eine Pfote über die Dachkante hängen. „ Er muss dich sehr gut kennen bevor er dir gestattet ihn zu streicheln. Tiere sind keine Spielsachen.“ Schlürfend trank ich einen Schluck Kaffee. „Erzähl die Geschichte weiter,“ forderte Till. Ich kramte in meinem Gedächtnis und fing an zu erzählen: „Also der Ranzen von Lea sollte so schön wie ein Einhorn aus den Zauberbergen und so bunt wie der Vogel im Land der Feen sein, und so wunderbar duften wie die Blumen im Riesenland. 
Leas Vater ließ seine Boten im ganzen Land verkünden, dass er so einen Ranzen suche. Er versprach eine hohe Belohnung, für jeden der ihm helfen konnte. Doch niemand meldete sich und Lea wurde sehr traurig. Das konnte der König nicht ansehen und er ließ sein Pferd satteln. So ging der König selber auf die Suche. Lea durfte vor ihm auf dem großen Pferd sitzen und mitkommen. Sie strahlte wie ein Sonnenstrahl und hielt sich am Sattel fest. In ihrem Rucksack steckten frische Möhren, die hatte sie als Proviant von ihrem Freund dem Gärtner bekommen.
 Sie mussten lange reiten bis sie an die Zauberberge kamen. 
Auf einem Feld arbeiteten Menschen und banden Stroh zu Bündeln zusammen. Als Lea mit ihrem Vater dem König am Feld halt machte, hörten die Leute auf zu arbeiten und schauten zu ihnen herüber. 
Eine Frau mit großen schiefen Zähnen kam zu ihnen herüber und Leas Vater sprach sie an. „Gute Frau, könnt ihr mir sagen wo ich ein Einhorn finde“? Die Frau schüttelte den Kopf. „ Ich habe noch keins gesehen und ich kenne auch niemanden der eins gesehen hat. Am Rand der Berge wohnt ein Einsiedler in einer alten Hütte. Der kann euch sicher weiterhelfen." 
So ritten die beiden weiter und kamen bald an eine schiefe Holzhütte. Der König ließ sein Pferd grasen und Lea gab ihm eine Karotte aus dem Rucksack. Sie hüpfte neben ihrem Vater zum Häuschen des Einsiedlers. 
Die Tür knarrte und ein Mann mit einem langen Zopf schaute zur Tür hinaus.“ Ihr sucht das Einhorn,“ stellte der Mann fest, noch bevor der König etwas sagen konnte. Der König und Lea nickten, da fuhr der Mann fort:“ Niemand kann das Einhorn finden, aber es hinterlässt manchmal Haare aus seiner Mähne, wenn es sich an einem Baum schubbert. Am liebsten mag es Birken denn sie haben Heilkräfte. Sucht an den Birken danach, denn diese Haare haben Zauberkräfte". So ging der König mit der hüpfenden Lea, in den Zauberwald und sie suchten Birken. Viele Birken suchten sie ab, doch sie fanden keine Haare. 
Als sie schon eine Stunde lang gesucht hatten, stand Lea vor einer kleineren Birke und sah dort lange weiße Haare hängen. Sie zupfte die Haare heraus und steckte sie in den Rucksack. Dann gingen sie zum Pferd zurück und ritten nach Hause. Dort wartete Leas Mutter, die Königin, schon mit einer Kanne Kakao und einem Teller frischer Waffeln. Sie freute sich sehr als Lea ihr die Mähnenhaare zeigte. 
Mittlerweile war es spät geworden und Lea musste schlafen gehen. Nach einer Geschichte und zwei Gutenachtliedern konnte sie einschlafen. In der Nacht träumte sie von einem weißen Pferd mit einem Horn auf der Stirn.“
Dann hörte ich auf zu erzählen und Till bettelte: „ Weiter erzählen“. Doch ich trank einen Schluck vom erkalteten Kaffee und sagte ihm, dass ich noch in meinem Garten arbeiten müsste. Neo war verschwunden und ich brachte eine Karre Kompost auf ein neues Beet auf. Till trollte sich gelangweilt. Ich goss noch meine Pflanzen und machte dann Schluss für diesen Tag.


© Gundula Geck-Grantz


Kommentare:

  1. Liebe Gundula,
    ich freue mich, auf Dein Blog gefunden zu haben. Mir gefällt Deine kleine Geschichte, gibt es auch noch einen 3. Teil? :o)
    LG Kathinka

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    1. Hallo Kathinka, ich freue mich daß es dir gefällt. Den dritten Teil habe ich schon angefangen. Sobald er fertig ist wandert er auf den Blog.
      Gruß
      Gundula

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